Arbeitsgruppe Notara veröffentlicht Übersichtsartikel zu limbalen epithelialen Stammzellen und ihrer Schlüsselrolle für die Hornhautgesundheit

Die Arbeitsgruppe von Dr. Maria Notara hat einen neuen Übersichtsartikel in der internationalen Fachzeitschrift Cells veröffentlicht. Der Artikel mit dem Titel „Limbal Epithelial Stem Cells in Review: Immune and Lymphangiogenic Privilege and Their Clinical Relevance” fasst aktuelle Erkenntnisse über die zentrale Rolle der limbalen Epithelstammzellen (LESCs) für die Aufrechterhaltung der Hornhauttransparenz und ihre klinische Bedeutung zusammen.

Die Autoren – B. Meshko, T. Volatier, C. Cursiefen und M. Notara – zeigen, dass LESCs weit mehr sind als einfache Vorläuferzellen für die Regeneration des Hornhautepithels. Vielmehr fungieren sie als wichtige Regulatoren der immunologischen und (lymph-)angiogenen Privilegierung der Hornhaut, indem sie biochemische und mechanische Signale aus ihrer Stammzellnische integrieren. Durch diese Mechanismen halten sie ein empfindliches Gleichgewicht zwischen effizienter Geweberegeneration und der aktiven Unterdrückung von Entzündungen sowie der Bildung von Blut- und Lymphgefäßen aufrecht.

Ein weiterer Schwerpunkt der Übersicht liegt auf der Identifizierung funktionell unterschiedlicher Limbuszellpopulationen. Spezifische Stammzellmarker, insbesondere ABCB5, ermöglichen die Differenzierung spezialisierter Epitheluntergruppen, die an der Reparatur und Umgestaltung beteiligt sind. Darüber hinaus üben assoziierte Stromazellen ausgeprägte entzündungshemmende und anti-(lymph-)angiogene Wirkungen aus, die wesentlich zur Aufrechterhaltung der Avaskularität der Hornhaut beitragen.

Die Autoren betonen außerdem die klinische Relevanz dieser Mechanismen: Eine Schädigung oder ein Verlust der limbalen Stammzellnische – beispielsweise aufgrund eines Traumas, UV-Strahlung oder genetischer Störungen wie Aniridie – führt zum Zusammenbruch der immunologischen und vaskulären Privilegierung. Dies führt zu einem limbalen Stammzellmangel (LSCD), der mit chronischen Entzündungen, Neovaskularisation, Verlust der Hornhauttransparenz und letztendlich zum Verlust des Sehvermögens einhergeht.

Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse skizzieren die Autoren wichtige Perspektiven für zukünftige therapeutische Strategien. Wirksame Behandlungsansätze für LSCD sollten nicht nur die Epithelregeneration, sondern auch die Erhaltung der immunologischen und vaskulären Privilegierung berücksichtigen. Die gezielte Beeinflussung spezifischer Stammzellpopulationen oder ihrer parakrinen Signalwege könnte nachhaltige Ansätze für die Wiederherstellung der Augenoberfläche bieten.

Der Artikel ist im Januar 2026 in Cells erschienen (Band 15, Artikel 91) und frei zugänglich verfügbar: https://doi.org/10.3390/cells15010091

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